Überkopf Clippen
Beim Klettern im Vorstieg nimmt der Kletternde “das Seil mit”, d.h. die ersten Meter ist er nicht gesichert, in der Halle hängt er es dann in einen Karabiner an der Wand ein, am Fels legt er eine Sicherung an, z.B. mit einer Express-Schlinge an einem Haken, oder mittels eines Klemmkeils. Wenn der Kletternde stürzt, fällt er also bis zu seiner letzten Sicherung, in der Halle liegen die jeweils ca. 1m auseinander. Das Einhängen des Seils in die Sicherung heißt Clippen.
Wenn man das Seil oberhalb seines Kopfes in eine Sicherung einhängt ist das das Überkopf clippen(wie auf dem Bild), eigentlich sollte man das Seil erst einhängen, wenn der Haken auf Hüfthöhe ist, da man dafür nicht viel Seil nachziehen muss.
Gestern waren Laura und ich also mal wieder Klettern. Sie das erste mal seit einem Vierteljahr, ich gehe im Moment jede Woche ein bis zweimal(höchste Schwierigkeitsstufe:7-). Es hat alles ganz gut geklappt - klar, Laura wurde durch die lange Pause ziemlich zurückgeworfen, aber die Technik hat sie noch drauf.
Die letzte Tour die ich gehen wollte war eine sehr kleingriffige 6+, die ich noch nie gegangen war. Nachdem ich 6 m geklettert war, wollte ich die nächste Sicherung über meinem Kopf einhängen. Das heißt ich musste das Seil das an meiner Hüfte hängt um ca 1m hochziehen, das heißt, das Laura 2m Seil zusätzlich ausgeben musste(1m Seil von mir bis zum Haken, und das ganze dann auch wieder nach unten), 6m hatte sie ja für die bereits zurückgelegte Strecke und außerdem noch vermutlich 0.5-1m weil das Seil schlapp war ausgegeben. Das heißt, die letzte Sicherung war auf ca. 6m ausgegeben waren 9m Seil.
Dann bin ich gestürzt, während ich versucht habe das Seil in die Sicherung einzuhängen, ich glaube ich hatte nicht mal Zeit zu rufen.
In 6m Höhe die letzte Sicherung, 9m seil ausgegeben. Dazu die Höhe, die ich schon über die Sicherung geklettert war. Das heißt ich bin erstmal ca 4m gefallen, bis auf 3m Höhe. Dann hat sich das Seil gedehnt. Am Ende war ich fast neben Laura. Gerade noch nicht auf dem Boden. Ich hatte verdammt Glück, dass Laura alles richtig gemacht hatte und direkt an der Wand stand. Wäre das nicht der Fall gewesen hätte der Schwung sie an die Wand geschleudert und dieser Meter mich auf den Boden gelassen.
Ich hab also in 2s unerwartet 7m zurückgelegt. Sofort kamen alle vom Team der Kletterarena und fragten mich ob ich mir was getan hätte, und was passiert sei. Als ich auf Lauras Höhe war hatte sich das Seil von ihr bis zur erste Sicherung unter meine Achsel gelegt und gerieben. Ist ein schöner Blauer Fleck, aber glücklicherweise keine Verbrennung. Sonst ist mir wirklich garnichts passiert. Vielleicht habe ich mich im Sturz von der Wand abgestoßen, das weiß ich aber nicht mehr. Laura hat verdammt gut gesichert. Wir waren dann erstmal beide entsprechend geschockt.
Das war mal eine völlig andere Erfahrung. Ich bin die Route dann sofort nochmal hoch, damit sich keine Angst entwickelt, da hat diese Stelle dann ohne ein Problem funktioniert.
Wahrscheinlich bin ich in nächster Zeit etwas unsicherer und vorsichtiger. Ist aber vermutlich nicht so schlecht ![]()